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Bauwerk

Die 95,4 km lange römische Wasserleitung vom Grünen Pütz bei Nettersheim bis zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) versorgte das römische Köln von ca. 80/90 n. Chr. bis ca. 270/280 n. Chr. Tag für Tag mit 20 Millionen Liter frischem Wasser.

Römische Ingenieurskunst

Um den Luxus einer hochwertigen Wasserversorgung in der Stadt zu gewährleisten, vollbrachten die römischen Ingenieure eine Meisterleistung. Sie konzipierten und bauten in weniger als fünf Jahren eine fast 100 km lange Gefälleleitung, die sämtliche Geländehindernisse überwand. Heute ist das Bauwerk sehr gut erforscht und stellenweise wieder aufgebaut. An den zahlreichen Stationen entlang des Römerkanal-Wanderwegs bieten sich spannende Einblicke in die römische Ingenieurskunst.

Infotafeln

Die römische Wasserleitung aus der Eifel nach Köln

Schon ab ca. 30 n. Chr. war das Oppidum Ara Ubiorum durch eine mehrere Kilometer lange Fernwasserleitung von Quellen im Hang des Vorgebirges versorgt worden. Mit Erlangung der Rechte einer Colonia wurde das vorhandene System 50 n. Chr. ausgebaut. Nachdem die Colonia Claudia Ara Agrippinensium 80/90 n. Chr. Hauptstadt der neueingerichteten Provinz Niedergermanien geworden war, orientierte man sich in der Wasserversorgung neu und baute den Eifel-Aquädukt.

Als reine Gefälleleitung (Freispiegelleitung) konzipiert, schmiegte sich die Trasse der Leitung an das natürliche Geländerelief an. In ihrem Verlauf musste die Leitung zahlreiche Geländehindernisse überwinden, deshalb wurden aus der 50 km langen auf der Luftlinie gemessenen Strecke zwischen den Quellen und Köln 95,4 km Trassenlinie. Beim Bau waren aber nicht nur unzählige Seitentäler auszufahren und zahlreiche Bergsporne zu umrunden, sondern es standen im Trassenverlauf auch zwei besonders schwierige Hindernisse im Wege: Die Wasserscheide zwischen Maas und Rhein wurde bei Kall durch einen besonders zurückhaltenden Umgang mit Energiehöhe im Urfttal überwunden. Und um das Vorgebirge, das sich hinter Erft- und Swistbachtal wie ein 60 m hoher Sperrriegel quer zur Trasse in den Weg stellte, überqueren zu können, wurde eine 20 km lange Umwegschleife angelegt, die weit in das Swistbachtal hineinreichte.

Planung, Trassierung und Bauausführung dieses Aquäduktes sind Glanzleistungen antiken Ingenieurbaus. In kaum einer anderen Wasserleitung wurden technische Elemente des antiken Wasserleitungsbaus in einer Vielfalt vorgefunden, wie hier am Rhein.

Die Baumeister des Mittelalters nutzten die Eifelwasserleitung als Steinbruch, um Baumaterial für die Kirchen, Klöster und Burgen zu gewinnen: In der Zeit vom 11. bis zum 13. Jahrhundert war Römerkanalabbruch ein beliebtes Baumaterial im Rheinland und wurde darüber hinaus bis nach Dänemark und in die Niederlande verhandelt. Aus der Kalkablagerung in der Wasserleitung – dem sog. Aquäduktmarmor – fertigten die mittelalterlichen Steinmetze Säulen, Altarplatten und Grababdeckungen.

Der Römerkanal-Wanderweg von Nettersheim bis Köln erschließt diesen großartigen Technikbau in 53 Stationen auf 111 km Länge.

Weiterführende Literatur:

  • K. Grewe, Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln.
    Rheinische Ausgrabungen 26 (Köln 1986).
  • K. Grewe, Meisterwerke antiker Technik (Mainz 2010).
  • Der offizielle Wanderführer des Eifelvereins:
    K. Grewe, /M. Knauff, Die lange Leitung der Römer (Düren 2012) [ISBN 978-3-921805-81-7]

Quellfassung Grüner Pütz

Die vier Stränge der Eifelwasserleitung nach Köln wurden sämtlich aus Quellfassungen gespeist, wobei die Methoden der Wasserfassung den jeweiligen Wasservorkommen angepasst waren. Am Grünen Pütz bediente man sich einer 80 m langen Sickerleitung, deren bergseitige Wange ohne Mörtel, also wasserdurchlässig gebaut worden ist, so konnte das aus dem Hang quellende Wasser eindringen. Die talseitige Wange war anders gebaut worden, denn hier  sorgte die Vermörtelung und ein künstlich eingebrachtes Dichtungspaket aus Ton dafür, dass einerseits kein Trinkwasser verloren ging und andererseits das Bachwasser des Urfttales aus dem Kanal ferngehalten wurde. Der Reinhaltung des Quellwassers dienten außerdem eine Abdeckung aus mächtigen  Sandsteinplatten sowie eine Kiesschüttung auf der Sohle, die ansonsten nicht weiter ausgebaut war.

Die Brunnenstube Grüner Pütz war das Bindeglied zwischen der Sickerleitung und der nach Köln führenden Wasserleitung. Zwei kleine Durchbrüche in den Sandsteinblöcken des 1,93 m x 1,86 m messenden Fundamentes ließen zusätzliches Quellwasser eindringen. Der Schwellstein am Beginn der Wasserleitung bewirkte eine kleine Aufstauung des Wassers in der Brunnenstube, wodurch eine Beruhigung und Klärung des Wassers erreicht  wurde. Zur Frostsicherung war sowohl die Sickerleitung als auch die an den Grünen Pütz angeschlossene Leitung mit Erdreich überdeckt.

Auf dem Sandsteinfundament waren die Wände der Brunnenstube mit  Grauwackehandquadern aufgemauert. Den oberen Abschluss der Seitenwände bildete eine halbrund gearbeitete Sandsteinbekrönung, die an den Ecken der nach oben offenen Brunnenstube mit Medusen-Häuptern versehen war; dadurch gedachte man Unheil von der Quelle abzuhalten.

Besuchen Sie nahe gelegene Sehenswürdigkeiten:

Die Römerstraße Köln-Trier kreuzt 200 m östlich von hier das Urfttal. Der steile Anstieg des Römerkanal-Wanderweges im südlichen Urfttalhang ist identisch mit der „Agrippastraße“. Auch im Eichtertal, das 200 m westlich von hier nach Süden abzweigt, ist ein Trassenzweig dieser wichtigen Straßenverbindung nach Süden zu verfolgen.

Station Nr. 2: Nettersheim, Aufschluss am Bahndamm [Wanderweg Km 4,5]

Beim Bau der Eisenbahnlinie Köln-Trier in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Römerkanal angeschnitten und danach an seinem ursprünglichen Platz offengehalten. Ein Einsturz des Gewölbes macht den Einblick in die auch heute noch wasserführende Rinne möglich: Sohle und Wangen sind in diesem Leitungsabschnitt aus Stampfbeton (Opus caementicium) gefertigt worden; die Abdeckung wurde danach aus Bruchsteinen in Mörtel über einem Lehrgerüst gesetzt. Diese Fundstelle gibt einen guten Einblick in das Konzept der römischen Baumeister zur Sicherstellung des Wassertransportes auch im Winter, denn zur Frostsicherung hatte man die gesamte Leitung ehemals in einem offenen Baugraben gebaut und nach Fertigstellung mit einer meterdicken Erdschicht überdeckt.

Die Innenmaße der Rinne betragen: lichte Weite = 0,50 m; lichte Höhe = 0,90 m. Da der weitere Leitungsverlauf durch den Bahnbau für einige hundert Meter unterbrochen ist, fließt das in der Leitung geführte Wasser heute jenseits des Bahndammes in die Urft.

Station Nr. 3: Kall, Leitungsverlauf als Geländemerkmal im Urfttal [Wanderweg Km 5,1]

Der durch den Bau der Eifelwasserleitung verursachte Eingriff in das Gelände ist im Leitungsverlauf an einigen Stellen auch nach fast 2000 Jahren noch gut sichtbar. Während solche Geländemerkmale in der Regel nur vom Flugzeug aus zu  beobachten sind, ist hier ein eindrucksvolles Beispiel mit bloßem Auge vom Boden aus gut zu erkennen: In der Weide südlich des Wanderweges ist die Trasse der Eifelwasserleitung, die hier angeschmiegt an das Geländerelief in einem leichten Bogen zum Waldrand verläuft, als ausgeprägte Geländeterrasse zu erkennen.

Die als Gefälleleitung angelegte Eifelwasserleitung verlief in der Regel unterirdisch durch die Landschaft. Abschließende Baumaßnahme nach der Fertigstellung der Wasserleitung war eine 1 m starke Überdeckung des Bauwerks mit Erdreich, um eine Frostsicherung herzustellen. Die Mächtigkeit dieser Überdeckung konnte sich im Laufe der Jahrhunderte durchaus verändern. Je nachdem ob die Leitung am Fuße eines Hanges verlief oder aber im Hang selbst, konnte es durch Erosion zu Anschwemmungen oder Abschwemmungen kommen.

In Hanglagen wirkte das unterirdische Bauwerk „erosionshemmend“, denn das im Verlauf der Erosion kontinuierlich zu Tal abdriftende Bodenmaterial wurde auf der Bergseite vom Baukörper des Römerkanals abgefangen. Die anhaltende Erosion bewirkte aber, dass die Erosion unterhalb der Wasserleitung ungehindert stattfand. Als deren Folge hat sich im Laufe der Zeit eine deutliche Geländestufe herausgebildet.

Station Nr. 4
Kall, Reste der Aquäduktbrücke über die Urft
[Wanderweg Km 5,9]

 

Im Scheitelpunkt der fast geschlossenen Urft-Schleife wechselt die römische Wasserleitung von der linken zur rechten Seite des Urfttales hinüber. An dieser Stelle ist die Urft heute durch ein Wehr aufgestaut. Hier hatte man – vermutlich seit dem frühen 18. Jahrhundert – über einen angeschlossenen Graben Wasser
abgezweigt, um die Wasserkraft für den 1710 errichteten Eisenhammer Neuwerk bereitzustellen. Von der Lage und Ausrichtung her ist dieses Wehr identisch mit dem Standort der antiken Aquäduktbrücke über die Urft. Es ist durchaus denkbar, dass man beim Bau dieses Wehres die Fundamente der Brücke mitbenutzt hat. Da das Wehr zwischenzeitlich mehrfach zerstört und wiederaufgebaut wurde, ist der römische Ursprung nicht ohne Weiteres zu erkennen.

Im Fluss unterhalb des Wehres gefundene Sandsteinquader stammen vermutlich von diesem Brückenbauwerk.

Station Nr. 5
Kall-Urft, Aufschluss des Römerkanals
[Wanderweg Km 7,1]

 

Beim Ausbau eines Wirtschaftsweges wurde hier ein ca. 80 m langes Stück der Eifelwasserleitung freigelegt; dabei stürzte ein Teil des Gewölbes ein. Der Blick ins Leitungsinnere zeigt die Gussbetonrinne (Opus caementicium), die auf der Sohle und den Wangen mit einer dünnen Schicht von rötlichem Wasserputz (Opus signinum) bestrichen ist. Der Putz hatte bei seiner Anmischung durch einen Zuschlag von zerstoßenen Ziegelsteinen nicht nur seine rötliche Färbung, sondern auch seine hydraulische Wirkung erhalten und sorgte auf diese Weise für die Dichtigkeit der Leitung.

Nur wenige Meter unterhalb dieser Fundstelle ist der Römerkanal bei der Anlage eines forstwirtschaftlichen Weges komplett durchschnitten worden. Auch hier sind Reste des Bauwerks erkennbar.

Station Nr. 6

Kall-Dalbenden

[Wanderweg Km 7,9]

Wasserleitung und Durchlass bei Kall-Dalbenden

 

Nördlich von Urft umgeht die unterirdisch verlaufende römische Eifelwasserleitung in einem großen Bogen das Seitental, durch das heute die Landstraße L 22 nach Keldenich führt. Weiter Richtung Westen verläuft sie am steilen Nordhang des Urfttales knapp unterhalb der 420 m-Höhenlinie. Oberhalb der Burg Dalbenden tritt die Leitung dann für ein kurzes Stück aus ihrem unterirdischen Verlauf an das Tageslicht, um ein kleines Trockental (Siefen) zu überqueren. An dieser Stelle hat man einen Durchlass mit einer lichten Weite von 90 cm gebaut, um die bei Regen oder Schneeschmelze anfallenden Oberflächenwasser unter der Leitung abzuführen. So haben die Baumeister verhindert, dass die Wasserleitung beschädigt wurde und Fremdwasser in den Römerkanal eindringen konnte.

Die Kanalrinne aus Stampfbeton besitzt hier eine lichte Weite von 60 cm und ist innen mit einem hydraulischen Putz (Opus signinum) verkleidet. Bei seiner Herstellung verwendete man als besonderen Zuschlagstoff zermahlene Ziegelsteine. Dadurch erhielt der Verputz nicht nur seine rötliche Färbung, sondern vor allem seine hydraulische Wirkung, denn er machte die Leitung wasserdicht.

Das Gewölbe der Leitung errichtete man aus Bruchsteinen und Mörtel über einem so genannten Lehrgerüst. Die Abdrücke der Schalbretter dieses Gerüstes sind teilweise noch deutlich zu erkennen.

Station Nr. 7

Kall-Sötenich,

Aufschluss des Römerkanals am Ehrenmal

[Wanderweg Km 11,8]

 

Die Trasse der Eifelwasserleitung hat die Ortschaft Sötenich in weitem Bogen umfahren. Dort wurde sie bei Baumaßnahmen wiederholt angetroffen. Am Sötenicher Ehrenmal verlässt die Trasse nun wieder die freie Feldflur. Durch den Schutz des Waldes ist die Leitungstrasse in ihrem anschließenden Verlauf über lange Strecken erhalten; ihre Reste sind aber trotz vieler Geländemerkmale und Aufschlüsse vom Laien nur schwerlich aufzufinden.

Der Aufschluss am Sötenicher Ehrenmal ist durch den Einsturz des Gewölbes entstanden und lässt einen Einblick in das Leitungsinnere zu: lichte Weite 0,60 m, lichte Höhe 1,00 m.

Station Nr. 8

Kall-Keldenich

[Wanderweg Km 14,1]

Die Wasserscheide zwischen Rhein und Maas

 

Da die Urft nicht im Einzugsbereichs des Rheines liegt, musste die als Gefälleleitung konzipierte Eifelwasserleitung aus dem Urfttal heraus über die Rhein-Maas-Wasserscheide in Richtung Köln geführt werden. Das erforderte, die Trasse mit möglichst schwachem Gefälle im Hang des Urfttales zu planen. Durch die Absteckung eines Minimalgefälles von 0,1 % hat die Leitung oberhalb von Sötenich bereits 30 Meter an Höhe über dem Talgrund gewonnen.

Sämtliche Oberflächenwasser westlich dieser Wasserscheide fließen über die Urft in die Maas, östlich davon über die Erft in den Rhein. An der tiefsten Stelle der Wasserscheide, dort wo die Landstraße 206 die Bahnlinie Köln-Trier kreuzt, verläuft die Trasse der Eifelwasserleitung.

Dieser Standort lässt einen sehr schönen Ausblick auf die Wasserscheide zu. Betrachtet man die Topographie genauer, dann wird verständlich, warum nicht nur die Römer diese Stelle genutzt haben, um ihre Wasserleitung hier von einer Seite der Wasserscheide auf die andere zu führen, sondern später auch noch die Straßenbauer, die Eisenbahningenieure und die Planer einer Erdgasleitung. Allerdings standen den römischen Ingenieuren nicht die Planungsunterlagen ihrer Kollegen in unseren Tagen zur Verfügung, sie mussten ihre Trassenlinie mit wesentlich einfacheren Hilfsmitteln fi nden. Dass ihr Werk trotz aller Widrigkeiten gelungen ist, ist das Ergebnis großartigen Ingenieurgeistes.

Station Nr. 9

Mechernich-Vollem

[Wanderweg Km 20,6]

Die Aquäduktbrücke Mechernich-Vollem

 

Auf dieser kleinen Brücke überquerte der Römerkanal den Kallmuther Bach. Die Brücke ist 7,3 m lang, 1,79 m breit und hat eine Durchlassweite für den Bach von 1,12 m. Die Widerlager auf beiden Seiten des Durchlasses bestehen aus zwei mächtigen Sandsteinblöcken von 1,79 m x 0,74 m x 0,59 m. Sie tragen das Brückengewölbe, das wie die Außenschale der Brücke aus sorgfältig behauenen Handquadersteinen aus Grauwacke besteht. Die gegen die Baugrubenwand gesetzten unteren Mauerteile sind weniger sorgfältig als das Sichtmauerwerk ausgeführt.

Hinter der Außenschale der Brücke sitzt der aus Gussmauerwerk separat gefertigte Kanal. Die Abdeckung aus Sandsteinplatten und große Teile der Kanalwangen fehlen heute. Die lichte Weite der Rinne beträgt 0,42 m.

Mit dem Anwachsen des Bachbettes erreichte das Wasser die Bogensteine des Brückengewölbes. Um die zerstörerische Kraft des Wassers zu brechen, stellte man vor dem Bogen zwei zusätzliche Quadersteine auf.

Beim Aufmessen des Grabungsbefundes zeigte sich, dass die Ausrichtung der Brücke von der Richtung der wasserführenden Rinne um 0,17 cm abweicht. Dadurch hat sich die alte Vermutung bestätigt, dass derartige Bauwerke von verschiedenen Bautrupps zeitlich unabhängig voneinander errichtet wurden.

Die Brücke war im Jahr 1981 bei Sondagen für den damals in Vorbereitung befindlichen „Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln“ entdeckt und archäologisch untersucht worden; die Fundstelle musste nach der Bestandsaufnahme aber zugeschüttet werden. 2007 wurde die Brücke wieder freigelegt und mit einem Schutzbau überdacht.

Station Nr. 10

Mechernich-Kallmuth

[Wanderweg Km 22,4]

Brunnenstube Klausbrunnen

 

Die Brunnenstube Klausbrunnen bei Mechernich-Kallmuth ist ein besonders schön rekonstruiertes Beispiel für eine römische Quellfassung. Wie die Quellfassungen in den Hausener Benden (1938) und bei Urfey (1951, 2010) wurde auch der Klausbrunnen bei Kallmuth (1935) bei der Suche nach Quellgebieten für die Wasserversorgung in unseren Tagen entdeckt. Dabei ist es schon erstaunlich, dass die römischen Ingenieure mit ihren einfachen Mitteln offensichtlich zu denselben Ergebnissen gekommen waren, wie wir mit den Methoden unserer Zeit.

Im Kallmuther Klausbrunnen befi nden wir uns am Kopfende eines der drei Wasserleitungszweige, die in der ersten Bauphase der Eifelwasserleitung (80/ 90 n. Chr.) gebaut worden sind. Die Brunnenstube mit den Grundmaßen von 3,5 m x 5,8 m ist mit ihrem Fundament bis in die ehemals wasserführende Schicht in das Erdreich eingetieft worden. Das Quellwasser konnte in 3,5 m Tiefe durch die torartigen Öffnungen in den Sandsteinblöcken sowie durch die mörtellos gesetzten Steinlagen in das Becken eindringen. Die aus Grauwacken gesetzten Stürze und Bögen über diesen losen Steinlagen fangen den Druck des aufgehenden Mauerwerks ab. Der obere Rand des Beckens war mit halbrunden Sandsteinen abgedeckt; das Becken selbst war nach oben offen.

Unterhalb dieser Quellfassung ist der in der zweiten Bauphase des Römerkanals errichtete Leitungszweig aus dem Urfttal angeschlossen worden. Das Wasser vom Grünen Pütz, das nicht höhengleich auf die am Klausbrunnen beginnende Leitung traf, wurde vor dem Anschluss durch ein kleines Tosbecken geführt, um die zerstörerische Kraft des Wassers an einer Sollstrecke zu vernichten und um dadurch Beschädigungen am Kanalmauerwerk zu vermeiden. Die dicken Versinterungsschichten im Bereich des Tosbeckens deuten jedenfalls auf starke Turbulenzen im fließenden Wasser hin.

Station Nr. 11

Mechernich-Eiserfey

[Wanderweg Km 25,6]

Kalksinterblock am Sammelbecken

 

Nach dem Abzug der Römer aus dem Rheinland wurde die Eifelwasserleitung nicht mehr genutzt, blieb aber wegen ihrer sorgfältigen Bauweise auf weite Strecken gut erhalten. Das hohe Mittelalter bediente sich des Bauwerks dann auf andere Weise und nutzte es als Steinbruch für den Bau von Kirchen, Klöstern und Burgen. Da es im hohen Mittelalter auch an Schmucksteinvorkommen in erreichbarer Nähe mangelte, bediente man sich diesbezüglich der Kalksinterablagerungen im Römerkanal, die zur Herstellung von Säulen, Grab- und Altarplatten verwendet wurden. Wir nennen dieses Material heute ‚Aquäduktmarmor‘, weil unter der Hand des Steinmetzen aus dem Kalksinter ein marmorähnlicher Werkstein entstanden ist. In über 100 Burgen und Kirchen im Rheinland und weit darüber hinaus fand dieses originelle Material Verwendung.

Das wirft sogleich die Frage auf, wie diese Ablagerungen denn entstanden sind? Im Atlas der römischen Wasserleitungen nach Köln fi ndet sich eine sehr plausible Erklärung für die Entstehung des Kalksinters formuliert: „Beim Versikkern von Niederschlag durchläuft das Wasser den Boden, in dem durch mikrobiellen Aufbau organischer Substanz recht große Konzentrationen von Kohlendioxid vorhanden sind - meist um eine Zehnerpotenz höher als in der Atmosphäre. Das Wasser fließt dann mit diesen hohen Konzentrationen an Kohlendioxid als Grundwasser durch das Gestein und löst dort vorhandenen Kalk bis zur Sättigung. Wenn ein so kalkgesättigtes Grundwasser in einer Quelle wieder zutage tritt, gerät es in Kontakt mit der Atmosphäre und deren niedriger Konzentration an Kohlendioxid, mit der im Gleichgewicht (temperaturabhängig) meist eine weit geringere Menge an Kalk löslich ist. Der nicht mehr lösliche Anteil an Kalk wird dann als Kalksinter abgeschieden.“

Das hier gezeigte Stück stammt aus einer Baustelle in Mechernich-Lessenich.

Station Nr. 12

Mechernich-Eiserfey,

Der Aufschluss im Veybachtal

[Wanderweg Km 25,8]

 

1959 wurde bei Wegearbeiten am Osthang des Veybachtals die vom Sammelbecken Eiserfey ausgehende Hauptleitung Richtung Köln angeschnitten. Das Foto zeigt die Situation während der anschließenden archäologischen Untersuchung. Links ist der auch heute noch sichtbare Kanal mit erhaltener Gewölbeabdeckung zu erkennen. Talseitig hatte man die Leitung direkt an die Baugrubenwand gesetzt. Zum anstehenden Fels auf der Bergseite des Kanals (rechts) hatte man einen Zwischenraum von 60 cm Breite belassen, in dem lose aufgeschichtete Grauwackeplatten angetroffen wurden. Hierbei handelt es sich um eine Hangdrainage: Zwischen den losen Steinplatten wurde Oberflächenwasser vom Hang abgeleitet, um zu verhindern, dass dieses seitlich in den Kanal eindringt und die Qualität des Quellwassers beeinträchtigt.

Station Nr. 13

Mechernich-Vussem

[Wanderweg Km 27,3]

Die Aquäduktbrücke Mechernich-Vussem

 

Die Wasserleitung aus der Eifel nach Köln war als reine Gefälleleitung konzipiert worden. Die römischen Ingenieure passten sie dem Gelände an: Bei der Trassenabsteckung wurden kleinere Täler und Bergsporne umrundet. Dabei musste mit dem zur Verfügung stehenden Höhenunterschied, der Energiehöhe, sehr sparsam umgegangen werden. Das war notwendig, damit die Leitung auf ihrem Weg nach Köln nicht zu schnell an Höhe verlor und „Hindernisse“, wie der Höhenzug der Ville zwischen Alfter und Brühl, problemlos überwunden werden konnten. Das zeigt sich auch an einem Bauwerk wie der Vussemer Aquäduktbrücke. Die römischen Ingenieure errichteten hier zur Überquerung eines Seitentales des Veybaches eine relativ aufwändige Brücke. Die bei der archäologischen Untersuchung 1958 nachgewiesenen Bauwerksreste erlaubten eine recht genaue Rekonstruktion dieser Aquäduktbrücke.

Die Aquäduktbrücke war 80 m lang und besaß maximal zwölf Pfeiler, die die Kanalrinne trugen. Die Brückenbögen saßen auf mächtigen Sandsteinplatten („Kämpferplatten“) auf. Das Wasser wurde in einer Höhe von 10 m über den Talgrund geführt. Die Kanalrinne war mit mächtigen Sandsteinplatten abgedeckt. Das Pfeilermauerwerk bestand aus Grauwackesteinen mit reichlich verwendetem Mörtel. Außen war es mit sauber zugeschlagenen Grauwackesteinen verblendet.

Das römische Originalmauerwerk ist in den wieder aufgebauten Pfeilern teilweise noch gut zu erkennen. Es handelt sich hierbei um recht unregelmäßiges Mauerwerk, da es zu den Pfeilerfundamenten gehörte, die ehemals im Erdreich verborgen waren. Auf der gegenüberliegenden Talseite sind die Pfeilerreste als kegelförmige Stümpfe unter dem Bewuchs erhalten.

Station Nr. 14

Mechernich-Breitenbenden

[Wanderweg Km 29,4]

Aufschluss des Römerkanals

 

Der Aufschluss bei Mechernich-Breitenbenden zeigt mehrere technische Details, die einen anschaulichen Einblick in die römische Technik des Aquäduktbaus geben. Dazu gehören wieder einmal die deutlichen Abdrücke der Bretter des Lehrgerüstes, die im Gewölbe zu sehen sind.

Darüber hinaus hat der römische Baumeister hier in unwiderlegbarer Weise demonstriert, dass so etwas wie „Pfusch am Bau“ für ihn nicht in Frage kam –  er hat vielmehr gezeigt, dass zur Vollendung eines Bauwerks auch gehörte, in nicht für jedermann einsehbaren Bauwerksteilen höchsten Qualitätsansprüchen zu genügen. Das wird an einem zwar unscheinbaren, dafür aber sehr aufschlussreichen Detail deutlich: An den Wangen der Leitung hat der römische Maurer die Fugen zwischen den aufgemauerten Handquadersteinen mit einem Fugenstrich versehen. Derartige Zierfugen sind an dieser Stelle besonders deshalb ein wenig rätselhaft, weil sie nach Fertigstellung des Aquäduktes von niemanden wahrgenommen werden konnten. Außer dem Maurer, der sie in einer Art „Maurerstolz“ hier in die Wand geritzt hat, hatte niemand diese kleine Verzierung je zu Gesicht bekommen. Erst 1900 Jahre später konnte sich wieder jemand an dieser hübschen Kleinigkeit erfreuen: der Archäologe, der diesen Befund zu dokumentieren hatte.

Der Aufschluss ist besonders anschaulich, da mehrere Elemente des Leitungsbau erkennbar sind: Das Leitungsgerinne aus Opus caementicium mit einer verlorenen Schalung auf den Innenseiten der beiden Wangen, der Fugenstrich, die negativen Abdrücke des Lehrgerüstes und im wasserdurchströmten Teil der Rinne eine mittelstarke Kalksinterablagerung. Etwa 100 m weiter in Fließrichtung des Römerkanals ist ein weiterer Aufschluss zu sehen.

Station Nr. 15

Mechernich-Breitenbenden,

Kalksinterplatte am Hochbehälter

[Wanderweg Km 29,6]

Der Stein Den Schon Der Römer
Zur Hut Des Borns Geweiht
Hört Freien Quell Nun Rauschen
Bis In Die Ferne Zeit

Beim Bau des Breitenbendener Wasserwerks im Jahre 1930 besann man sich der Tradition der Wassergewinnung in der Nordeifel und verwendete ein aus dem Römerkanal gebrochenes Stück Kalksinter als Trägerstein für eine Inschrifttafel. Durch den Einbau dieser Kalksinterplatte über dem Eingang gedachte man eine Brücke zu schlagen von der Wasserversorgung in römischer Zeit bis in unsere Tage. Die über der Sinterplatte angebrachte Inschrift stellt diesen Bezug allerdings etwas überhöht dar, denn die Kalksinterablagerungen in der Leitung waren für die Römer eigentlich eine eher lästige Nebenerscheinung beim Transport des kalkhaltigen Eifelwassers, denn sie hätten bei einer längeren Betriebszeit letztendlich zum „Infarkt“ des Römerkanals führen müssen.

Station Nr. 16

Mechernich-Breitenbenden

[Wanderweg Km 30,6]

Aufschluss des Römerkanals

 

Ein längerer Abschnitt der Eifelwasserleitung nach Köln musste beim Bau des nördlichen Widerlagers der Krebsbachtalbrücke des Autobahnzubringers zur A 1 (L 165) weichen. In kurze Teilstücke zerlegt, wurde die Leitung an verschiedenen Orten des Rheinlandes wiederaufgebaut.

Das Krebsbachtal gehört zu den vielen Geländehindernissen, die es im Verlauf der Erbauung der Eifelwasserleitung zu überwinden galt. Obwohl das Krebsbachtal der Wasserleitungstrasse stark eingeschnitten im Wege lag, war das zur Überwindung des Baches erforderliche Brückenbauwerk recht klein ausgefallen – offensichtlich konnte man in diesem Leitungsabschnitt recht großzügig mit dem Gefälle umgehen und hat eine ausladende Talumfahrung gebaut, wobei man sich „hautnah“ an das Geländerelief angeschmiegt hat. Von dieser Brücke ist nichts erhalten.

Unverhältnismäßig viele Einstiegschächte machen die Talumfahrung des Krebsbaches zu einem besonderen Abschnitt. Allein von dem hier zu sehenden Aufschluss bis zur Kanalmeisterei (Station 17) sind nah beieinanderliegend zwei Einstiegschächte erhalten. Allerdings ist der erste von beiden Schächten vor wenigen Jahren wiederhergestellt worden, während der zweite Schacht nur in den oberen Mauerschichten erneuert worden ist. Diese Vielzahl von Einstiegschächten könnte damit zusammenhängen, dass die römischen Ingenieure hier Bewegungen im Untergrund befürchtet haben. Ganz unbegründet scheinen diese Vorsorgemaßnahmen nicht gewesen zu sein, denn in diesem Abschnitt wurde von uns die einzige Reparaturstelle im Leitungsverlauf gefunden: Setzungsrisse in der Kanalwange und der Sohle wurden an einer solchen Stelle auf 4 m Länge mit Ziegelplatten abgedichtet.

Station Nr. 17

Mechernich-Breitenbenden, „Kanalmeisterei”

[Wanderweg Km 30,9]

 

Beim Bau des Autobahnzubringers wurden Reste römischen Mauerwerks freigelegt. Es handelt sich um ein aus mehreren Räumen bestehendes bescheidenes Anwesen, zu dem sowohl ein abseits gelegener Speicherbau als auch ein kleiner Tempelbau gehörte. Im Verlauf des Römerkanal-Wanderweges trifft man linker Hand zunächst auf die Fundamente eines kleinen Tempels.

Auf das nächste Bauwerk stößt der Wanderer gleich nach Überquerung der Leitungstrasse rechter Hand: Es handelt sich um den wiederaufgebauten Grundriss eines kleinen Speichers. Danach trifft man auf das Hauptgebäude, ein aus mehreren Räumen und Stallungen bestehendes Wirtschaftsgebäude. Es könnte sich um eine Station gehandelt haben, in der eine kleine Mannschaft untergebracht war, die die Inspektion der Wasserleitung in einem bestimmten Abschnitt durchzuführen hatte – heute würden wir solch eine Station vielleicht „Kanalmeisterei“ nennen.

Station Nr. 18 a

Mechernich (Hombusch),

Trassenverlauf des Römerkanals mit Aufschlüssen

[Wanderweg Km 33,6]

 

Der Mechernicher Wald (Hombusch) ist für die Betrachtung der Organisation eines antiken Großbauvorhabens äußerst aufschlussreich: Hier können wir erkennen, wie die römischen Ingenieure auch Problemstellen beim Leitungsbau behandelt haben und darüber hinaus, mit welchem Pragmatismus sie bei der Durchführung ihrer Bauvorhaben zu Werke gegangen sind. Über mehrere Kilometer lässt sich hier die römische Trasse verfolgen – wobei dem Erhaltungszustand ganz sicher das schützende Dach eines Hochwaldes zugutegekommen ist.

Wir treffen im Hombusch auf eine außergewöhnlich breite Arbeitsterrasse, die sich – von einem Graben hangseitig begleitet – dem Geländerelief anschmiegt. Erst durch eine archäologische Untersuchung von 1980 wurde nachgewiesen, dass es sich bei dem Graben nicht um den mittelalterlichen Ausbruchgraben handelt, sondern dass wir es auf dieser Arbeitsterrasse mit zwei nebeneinander verlaufenden Leitungen zu tun haben. Eine dieser Trassen war mit einer provisorischen Holzleitung bestückt gewesen, während man in der zweiten Trasse – identisch mit dem heute noch sichtbaren Graben – den endgültigen steinernen Kanal gebaut hat.

Station Nr. 18 b

Mechernich (Hombusch),

Trassenverlauf des Römerkanals mit Aufschlüssen

[Wanderweg Km 34,2]

 

Im Hombusch waren bei den archäologischen Untersuchungen zwei parallel geführte Trassen nachgewiesen worden: eine provisorische Holzrohrleitung und parallel dazu der steinerne Kanal.

Der Grund hierfür liegt in Problemen, die man mit dem Ausbau der Trasse am „Grünen Winkel“ hatte (Station 19). Da dort beim Durchstich eines Bergsporns erhebliche Bauverzögerungen aufgetreten waren, musste man mittels einer Zwischenlösung versuchen, die Wasserversorgung Kölns ohne Verzögerungen in Betrieb zu nehmen. Offensichtlich war die Leitung zu diesem Zeitpunkt in sämtlichen anderen Baulosen bereits betriebsbereit, und nur hier am „Grünen Winkel“ war man in Verzug. Um diese „Baulücke“ zu überbrücken, verlegte man in der ursprünglich geplanten Trasse eine provisorische hölzerne Leitung, die man in ihrem Verlauf vor dem problematischen Bergsporn abknicken ließ und um diesen herumführte.

Damit konnte die Wasserversorgung des römischen Köln behelfsweise in Betrieb genommen werden – gleichzeitig konnte man am Durchstich des Bergsporns und am Steinkanal weiterbauen.

Station Nr. 18c

Mechernich (Hombusch),

Trassenverlauf des Römerkanals mit Aufschlüssen

[Wanderweg Km 35,4]

 

Im Hombusch waren bei den archäologischen Untersuchungen zwei parallel geführte Trassen nachgewiesen worden: eine provisorische Holzrohrleitung und parallel dazu der steinerne Kanal. Damit konnte die Wasserversorgung der CCAA behelfsweise in Betrieb genommen werden – gleichzeitig konnte man am Durchstich des Bergsporns „Grüner Winkel“ (Station 19) und am Steinkanal weiterbauen.

Zum Ausbau der endgültigen steinernen Leitung verbreiterte man die Arbeitsterrasse bergseitig. Am neuentstandenen Hangfuß hob man den Baugraben für den Steinkanal aus und baute ihn wie üblich in einer frostsicheren Tiefenlage.

Eine Auffälligkeit in der Baustellenplanung tritt auch im Hombusch ganz deutlich zutage: Die Brücken müssen in diesem Trassenabschnitt bereits vor der Verlegung der provisorischen Leitung fertiggestellt gewesen sein, denn im archäologischen Befund konnte festgestellt werden, dass die Trassen von Holz- und Steinkanal jeweils bei Bachüberquerungen zusammenkommen, um diese Hindernisse zu überwinden.

Station Nr. 19

Mechernich-Lessenich

[Wanderweg Km 35,8]

Trassenverlauf „Grüner Winkel“ und Lage des Tosbeckens

 

Obwohl in diesem Trassenabschnitt im Gelände von der römischen Eifelwasserleitung kaum etwas zu erkennen ist, haben wir hier einen für die Betrachtung des römischen Fernwasserleitungsbaus äußerst wichtigen Befund vor uns. Hier wurde weltweit zum ersten Mal archäologisch nachgewiesen, dass die Römer ihre Fernwasserleitungen in Baulosen ausgebaut haben. Dazu war die Gesamttrasse in ca. 20 einzelne Bauabschnitte unterteilt worden, in denen gleichzeitig gearbeitet werden konnte. Das 1980 ausgegrabene Tosbecken, mit dem der durch das Aufeinandertreffen zweier Baulose aufgetretene Höhenversprung ausgeglichen worden ist, ist in dieser Form in keiner anderen römischen Wasserleitung nachgewiesen.

Die Höhenversprünge in den Baulosgrenzen römischer Fernwasserleitungen sind das Ergebnis der bei der Gefälleabsteckung zur Anwendung gekommenen Vermessungsmethode. Da bei dieser Methode die Erdkrümmung nicht ausgeglichen wurde, bewegte man sich auf der Tangente zur Erdkrümmung und stieß aus diesem Grunde in jedem Fall zu hoch auf den Anfang des Anschlussbauloses.

In dem in einer Weide westlich des Bergsporn-Durchstiches „Grüner Winkel“ 1980 ausgegrabenen Bauwerk wurde ein Tosbecken erkannt. Durch dieses Bauwerk wurde ein Höhenversprung in einer Baulosgrenze und zwar in einer Größenordnung von 0,35 m ausgeglichen.

An diesem Becken kommen die beiden parallel geführten Leitungsstränge (siehe Stationen 18a–c) zusammen: Die provisorische hölzerne Leitung, die um den Bergsporn herumgeführt worden war, und der endgültige Steinkanal, für dessen Ausbau der 14 m hohe Geländesattel beim Bergsporn „Grüner Winkel“ durchstochen werden musste.

Das ausgegrabene Tosbecken musste nach der archäologischen Untersuchung wieder mit Erdreich überdeckt werden.

Station Nr. 20

Mechernich-Antweiler, Trassenverlauf

[Wanderweg Km 39,7]

 

Besonders gut wird der Verlauf der römischen Eifelwasserleitung immer da zu verfolgen sein, wo das durchfahrene Gelände im Laufe der Jahrhunderte nicht als Acker- oder Weideland genutzt worden ist, sondern dort, wo das Bauwerk im Schutz des Waldes liegt.

Hier in der freien Feldfl ur können wir dagegen nur erahnen, wo die Trasse des Römerkanals verläuft: Abgesehen von einem kurzen Stück in einer Weide beim Lessenicher Sportplatz, wo die Trasse als leicht eingetiefter Graben noch erkennbar ist, müssen wir uns zwischen Lessenich und Kreuzweingarten auf die archäologische Befundlage verlassen. Danach touchiert der Römerkanal auf seinem Weg aus dem Hombusch bis an den Rand des Erfttales die Ortslage von Antweiler an deren Nordseite, um über Maria Rast bei Kreuzweingarten wieder in ein Waldgebiet einzutauchen. Dort ist die Trasse dann bis zum nächsten Aufschluss [21] gut zu verfolgen.

Station Nr. 21

Euskirchen-Kreuzweingarten

[Wanderweg Km 44,3]

Aufschluss des Römerkanals

 

In diesem sorgfältig hergerichteten Leitungsaufschluss beeindruckt vor allem die Mächtigkeit der Kalksinterablagerungen. Diese Sinterschichten lassen eine ununterbrochene Nutzungszeit des Kanals von mindestens 190 Jahren errechnen. Der versinterte Querschnitt lässt zwar auf der Sohle nur noch eine Durchfl ussweite von 0,12 m offen, aber nach hydraulischen Berechnungen ließ selbst dieses verengte Profi l noch eine Tagesleistung von 20.000 m³ Trinkwasser zu. Diese Transportleistung wäre erst dann reduziert worden, wenn das Wasser mit seiner Oberfl äche den Scheitel des Kanalgewölbes erreicht hätte. Da das aber augenscheinlich nicht der Fall war, hätte das System durchaus noch einige Zeit funktionieren können.

Die Kalksinterablagerungen in der hier anzutreffenden Stärke haben das Bauwerk im Mittelalter äußerst attraktiv für die „Aquäduktmarmor“-Gewinnung gemacht. Hier bei Kreuzweingarten dürfte das Hauptabbaugebiet gewesen sein, wo sich das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Schmuckstein für die Ausgestaltung der romanischen Bauten gewinnen ließ. Von hier stammen die wunderschönen Säulen und Grabplatten, die wir im ganzen Rheinland, aber darüber hinaus auch in den Niederlanden, in Dänemark und in England in den Kirchen und Burgen des 11. – 13. Jahrhunderts bestaunen können.

Ein zeitgenössisches Foto gibt einen Eindruck von der Schwierigkeit dieser Abbautätigkeit wieder: Um nämlich an den begehrten Baustoff Kalksinter heranzukommen, musste als erstes die dem Frostschutz dienende Überdekkung komplett entfernt werden, dann war das Mauerwerk des Römerkanals vollständig abzubrechen, und zwar bis nur noch die Kalksinterablagerungen übrigblieben. Erst dann war der Kalksinter in den gewünschten Längen abzusägen, um daraus Säulen, Altarplatten u. ä. herstellen zu können. Unter der Hand der geschickten Steinmetze des Mittelalters wurden aus dem unscheinbaren Kalksinter die wunderschönen Werkstücke gefertigt – aus Kalksinter wurde „Aquäduktmarmor“!

Station Nr. 22

Euskirchen-Kreuzweingarten,

Aufschluss des Römerkanals und Tempelchen

[Wanderweg Km 44,6]

 

Unter dem hohen Baumbestand südlich des Kreuzweingartener Sportplatzes sind einige Aufschlüsse des Römerkanals zu sehen. Darüber hinaus ist die Römerkanaltrasse aufgrund des mittelalterlichen Ausbruchgrabens in diesem Trassenabschnitt gut zu verfolgen. Nordöstlich des Sportplatzes steigt die Trasse zur Erft-Niederung ab.

Das unmittelbar neben der Leitungstrasse liegende kleine römische Gebäude war schon im Jahre 1928 entdeckt worden, bevor es 1967 archäologisch untersucht werden konnte. Der im Lichten 4,0 m x 4,3 m große Bau hatte ehemals wohl an drei Seiten Nischen, die als Standorte für Statuen von Gottheiten gedient haben. Dieser Befund erhärtete die Vermutung, wonach in diesem Bau ein kleiner Tempel zu sehen ist.

Da auch im Hombusch bei Mechernich und in Mechernich-Breitenbenden (Station 17) Tempelchen dieser Größenordnung direkt neben der Wasserleitung  gefunden wurden, scheint es erlaubt, hierin Kultbauten zum Schutz der Wasserleitung zu sehen.

Station Nr. 23

Euskirchen-Kreuzweingarten,

Blick auf den Trassenverlauf im Erfttal

[Wanderweg Km 45,5]

 

Dieser Aussichtspunkt erlaubt einen sehr schönen Überblick über den Verlauf der Trasse der Eifelwasserleitung vor der Überquerung des Erft-Tales. Die Leitung kommt aus Richtung Lessenich über Antweiler durch die freie Feldflur und erreicht bei Maria Rast das Waldgebiet „Broicher Bruch“. Dieser Hochwald liegt jenseits der Erft, genau unserem Standort gegenüber, und darin befinden sich einige sehr schöne Aufschlüsse des Römerkanals.

Die Höhenverhältnisse der Berghänge beiderseits der Erft machten einen Talübergang für die Wasserleitung erst bei Rheder möglich. Und selbst dort war noch eine Aquäduktbrücke von 550 m Länge und 5 m Höhe zu errichten gewesen. Von diesem Bauwerk sind vor Ort keinerlei Reste mehr zu sehen, obwohl hier eine durchaus stattliche Brücke gestanden haben muss. Deren Steinmaterial war allerdings im Mittelalter abgebrochen worden, um es ein zweites Mal zum Bauen zu verwenden.

Station Nr. 24

Euskirchen-Stotzheim,

Kalksinterverwendung in der Hardtburg

[Wanderweg Km 47,7]

 

Die von Wassergräben umgebene zweiteilige Burg stammt aus dem frühen 12. Jahrhundert. Vom Typ her handelt es sich um eine Motte (französisch motte: Hügel), denn der Hauptburghügel ist mit dem Aushub des künstlich angelegten Wassergrabens aufgeschüttet worden. In der Hauptburg befindet sich der quadratische Wohnturm, der von einem doppelten Mauerring umgeben ist und durch ein Zwingersystem ehemals nur von der Vorburg aus zu erreichen war.

Auch in der Hardtburg fi nden wir Reste von Baumaterial, das den Ursprung „Steinbruch Römerkanal“ eindeutig erkennen lässt. Allerdings sind es nur ganz wenige Bruchstücke von Kalksinter, die wir hier identifi zieren können: Ein einzelnes Stück ist in der Südecke des Wohnturmes etwa in Augenhöhe verbaut. Die deutliche Schichtung des Materials lässt die Herkunft zweifelsfrei erkennen.

Wanderer, die in Begleitung ihrer Kinder sind, können hier ein kleines Suchspiel veranstalten: Vielleicht gelingt es den mitwandernden Kindern, im Mauerwerk des Hardtburgturmes noch weitere Kalksinterstücke ausfi ndig zu machen. Viel Spaß beim Diskutieren!

Station Nr. 25

Euskirchen-Niederkastenholz

[Wanderweg Km 49,4]

Pfeilerreste des Römerkanals und Aquäduktmarmor

 

In Kirchheim war im Jahre 1977 eine römische Quellfassung entdeckt worden. Die von dieser Wasserfassung gespeiste Steinleitung konnte bis Niederkastenholz verfolgt werden. Ein Anschluss dieser Leitung an die Eifelwasserleitung nach Köln war allerdings archäologisch nicht nachzuweisen. Es ist deshalb wahrscheinlicher, dass sie der Versorgung einer Villa rustica (römisches Landgut) gedient hat, deren Reste in Niederkastenholz nördlich der Kirche nachzuweisen sind. Die Stümpfe römischer Stampfbetonpfeiler (Opus caementicium) im Bürgersteig neben der südöstlichen Kirchhofsmauer könnten zu dieser Wasserleitung gehört haben. Sie befinden sich heute noch an ihrem ursprünglichen Standort.

In der Kirche St. Laurentius ist Baumaterial aus der Eifelwasserleitung an mehreren Stellen verwendet worden. Schon bei der Stufe im unteren Eingang zum Kirchhof handelt es sich um Sinterplatten, die aus der Kalkablagerung in der Eifelleitung gefertigt worden sind. In der Kirche findet man dieses Material mehrfach verwendet, z. B. für eine Ruhebank in der Eingangshalle und in der Altarplatte.

Dem Laurentius-Brunnen ist in seiner heutigen Form der römische Ursprung nicht mehr anzusehen, allerdings ist der aus Sandstein gefertigte antike Brunnenkranz in Niederkastenholz noch erhalten: Er war jahrzehntelang als Beeteinfassung auf dem Schulhof zwischenverwendet worden, ehe es vor ein paar Jahren gelang, ihn von dort an seinen heutigen Platz neben dem Brunnen zu verlagern. Das Opus caementicium-Mauerwerk beim Brunnen und jenseits der Straße ist eindeutig römischen Ursprungs und stand mit den Bauten der o. e. Villa rustica in Verbindung.

Station Nr. 26

Euskirchen-Palmersheim, Trassenverlauf

der römischen Eifelwasserleitung nach Köln

[Wanderweg Km 52,0]

 

In früheren Zeiten spielte der Verlauf der römischen Eifelwasserleitung nach Köln auch bei der Gliederung des ländlichen Raumes eine Rolle. Da sich selbst bei unterirdischem Verlauf der Leitung der römische Begleitweg noch jahrhundertelang erhalten hatte, bediente man sich dieses deutlichen und eindeutigen Geländemerkmales gern bei der Festlegung z. B. von Gemeindegrenzen. Aber auch der Begleitweg selbst war an vielen Orten noch bis in unsere Zeit in Nutzung gehalten worden. Durch Flurbereinigungen und kommunale Neuordnungen sind diese Wege und Grenzen zwischenzeitlich aber oft verändert worden.

Der hier von Westen (aus Richtung Stotzheim) auf die unter Naturschutz stehende Kastanie zuführende Feldweg ist ein Relikt aus römischer Zeit; er verläuft unmittelbar neben der Trasse der römischen Wasserleitung.

Station Nr. 27

Euskirchen-Palmersheim / Rheinbach,

Blick auf den Trassenverlauf im Swisttal

[Wanderweg Km 54,9]

 

Die römische Eifelwasserleitung ist als reine Gefälleleitung konzipiert worden, d. h. das Wasser fl ießt mit natürlichem Gefälle ohne den Einbau von Pumpen oder sonstigen Kunstbauten zur Wasserhebung. In ihrem fast 100 km langen Verlauf zwischen dem Grünen Pütz bei Nettersheim und Köln schmiegt sich die Leitungstrasse an das Geländerelief an und muss dabei viele Berge umrunden und Täler ausfahren. Das ist auch einer der Gründe dafür, dass aus 50 km Luftlinie schließlich 95,4 km Leitungstrasse geworden sind. Ein anderer Grund ist ein Geländehindernis, das den römischen Ingenieuren sicherlich viel Kopfzerbrechen bereitet hat, nämlich der Vorgebirgsrücken, der wie ein 60 m hoher Sperrriegel in der Planungslinie gelegen hat.

Diese Station lässt einen schönen Ausblick auf das Swistbachtal und damit einen Überblick über die Geländesituation zu, die von den römischen Ingenieuren beim Ausbau ihrer Trasse zu bewältigen war. Die Trasse verläuft in diesem Abschnitt von Flamersheim / Palmersheim kommend in östlicher Richtung. Zwischen Rheinbach und Meckenheim knickt sie zum Swistbach hin ab und überquerte auf einer 1,4 km langen Brücke mit ca. 300 Bogenstellungen das Tal. Danach streift sie die Ortslage von Lüftelberg und tritt bei Buschhoven in das Waldgebiet des Kottenforstes ein, das von dieser Station aus auf der gegenüberliegenden Seite des Swistbachtales zu erkennen ist. (Der weiße Kirchturm von St. Katharina in Buschhoven ist von manchen Stellen im Verlauf des Römerkanal-Wanderweges gut zu sehen und mag als Orientierungshilfe dienen.)

Station Nr. 29

Rheinbach

[Wanderweg Km 60,3]

Teilstück des Römerkanals aus Mechernich-Breitenbenden

 

Der Stadtkern von Rheinbach wurde von der römischen Eifelwasserleitung voll durchfahren. Die Leitung bog von Palmersheim / Flamersheim kommend auf das Stadtgebiet ein. Noch heute zeigen Münstereifeler Straße, Kriegerstraße und die Straße „Römerkanal“ den ehemaligen Verlauf der Trasse in etwa an. Die Abmessungen und die Bauart des in Rheinbach durch mittelalterlichen Steinraub fast vollständig entfernten Bauwerkes werden an mehreren im Stadtgebiet aufgestellten Teilstücken sichtbar gemacht.

Abgesehen von dem Teilstück hier in der Pützstraße stammen alle übrigen im Stadtgebiet aufgestellten Teilstücke aus archäologischen Fundstellen in Rheinbach selbst und zeigen ein aus Stampfbeton (Opus caementicium) gefertigtes Gerinne. Dieses ist in einer Verschalung aus Holzbrettern gefertigt worden. Das hier aufgestellte Teilstück stammt aus Mechernich-Breitenbenden (Station 16) und zeigt eine andere Technik: Seine Seitenwangen sind nach der Methode der „verlorenen“ Schalung hergestellt worden – d. h., man hat bei der Herstellung der Wandung keine Holzverschalung verwendet, sondern die Innenseiten der Wangen aus Handquadersteinen aufgesetzt und den Raum bis zur Baugrubenwand mit kleineren Bruchsteinen unter reichlicher Verwendung von Mörtel aufgemauert. Für den Bau des Gewölbes hat man auch hier ein hölzerneres Lehrgerüst verwenden müssen, dessen negativer Abdruck an
der Gewölbeinnenseite gut zu erkennen ist.

Die Kalkablagerung im Leitungsinneren war im Mittelalter hochbegehrt, denn daraus ließen sich wunderschöne Werkstücke zur Ausschmückung der romanischen Kirchen fertigen. Als „Aquäduktmarmor“ fand dieses Material in halb Europa Verwendung.

Station Nr. 30

Rheinbach, Verwendung von Römerkanalabbruch

im Wasemer Turm

[Wanderweg Km 60,4]

 

Der Wasemer Turm ist einer von ehemals acht Türmen der mittelalterlichen Stadtbefestigung Rheinbachs, der neben dem Kallenturm und dem zur Burg gehörigen Hexenturm bis heute erhalten geblieben ist. Rheinbach war gegen Ende des 13. Jahrhunderts befestigt worden, wobei man die bereits bestehende Burganlage einbezogen hatte. Als Baumaterialien bevorzugte man die heimische Grauwacke und den gut erhaltenen Guss- oder Stampfbeton der römischen Eifelwasserleitung, die unterirdisch das Rheinbacher Gebiet querte: Das Material der im 1. Jahrhundert n. Chr. erbauten Wasserleitung wurde im 12. und 13. Jahrhundert herausgebrochen und ein zweites Mal zum Bauen verwendet.

Im Rund des Wasemer Turmes kann man etwa in Brusthöhe zahlreiche Blöcke aus dem Baumaterial der römischen Wasserleitung wiederfi nden; an einem haftet gar noch der rötliche Innenverputz (Opus signinum), mit dem die Leitung gegen Wasserverlust abgedichtet worden war.

Bitte schonen Sie diesen einzigartigen Befund!

Station Nr. 31

Rheinbach, Verwendung von Römerkanalabbruch

in der Burg (Hexenturm)

[Wanderweg Km 60,8]

 

Im Hexenturm mit Torburg und Umfassungsmauer sind die eindrucksvollsten Reste des mittelalterlichen Rheinbach zu sehen. Diese Bauwerke gehörten zu der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichteten Burg; sie bildeten die Hauptburg, der in östlicher Richtung eine Vorburg vorgelagert war. Bei der Errichtung der Stadtbefestigung Ende des 13. Jahrhunderts hatte man diese Hauptburg in den Ring der Stadtmauer einbezogen, sie schützte fortan die Südostecke der mittelalterlichen Stadt.

Das gesamte noch erhaltene Ensemble ist zu großen Teilen aus Abbruchmaterial der römischen Eifelwasserleitung errichtet worden. Im Hexenturm sieht man die Blöcke aus römischem Guss- oder Stampfbeton (Opus caementicium) besonders gut neben der Treppe in den Ansätzen der ehemals nach Westen abgehenden Mauer sowie in der Torburg in Sturz und Bogen über der Durchfahrt. Die Umfassungsmauern und die Grundmauern sind sogar überwiegend aus diesem Material gebaut worden. Teilweise sieht man auch noch Reste des Innenverputzes (Opus signinum) und der Kalkablagerung.

Station Nr. 33

Rheinbach, Blick auf den Trassenverlauf

der ehemaligen Swisttal-Brücke

[Wanderweg Km 65,0]

 

Die 95,4 km lange römische Eifelwasserleitung war als reine Gefälleleitung gebaut worden. Um den Rücken des Vorgebirges zu überwinden, mussten die römischen Baumeister eine 20 km lange Umwegschleife bis weit in das Swistbachtal zwischen Rheinbach und Meckenheim ausbauen. Im Scheitelpunkt dieses Trassenbogens war eine Aquäduktbrücke zu errichten, die ehemals gewaltige Ausmaße hatte: Die Wasserleitung wurde auf einer ca. 1.400 m langen und 11 m hohen Brücke durch das Tal geführt.

Die bis auf die Talüberquerungen unterirdisch geführte Wasserleitung trat zur Swistbachüberquerung unweit von hier aus dem Boden, verlief anschließend auf der Brücke und verschwand danach bei Lüftelberg wieder im Erdreich. Durch mittelalterlichen Steinraub ist von der Aquäduktbrücke – bis auf die bei Station 34 zu fi ndenden Spuren von Bauschutt – heute nichts mehr zu sehen.

Station Nr. 34

Meckenheim

[Wanderweg Km 66,6]

Spuren der ehemaligen Aquäduktbrücke über das Swistbachtal

 

Das Swistbachtal wurde mit einer 20 km langen Trassenschleife umfahren. Zusätzlich war im Scheitelpunkt zwischen Rheinbach und Meckenheim noch der Bau einer mächtigen Aquäduktbrücke erforderlich. Diese Brücke war einst 1.400 m lang und bis zu 11 m hoch; sie überquerte auf rund 300 Bogenstellungen den Swistbach.

Archäologische Ausgrabungen im Jahre 1981 brachten die Reste eines einzigen Pfeilerfundamentes an das Tageslicht. Weitere Pfeiler im Brückenverlauf konnten nur anhand der Ausbruchspuren, die im Boden allerdings deutlich zu erkennen waren, nachgewiesen werden. Von der Aquäduktbrücke selbst ist heute nichts mehr zu sehen, da sie im Mittelalter (hauptsächlich vom 11. bis zum 13. Jahrhundert) komplett abgebrochen worden ist, um das Material zum Bauen von Kirchen, Klöstern und Burgen in der Umgebung wieder zu verwenden.

Der aufmerksame Wanderer wird von dieser Station aus beim Blick über die östlich anschließende Ackerfl äche eine deutliche Geländeerhebung erkennen, die in Steinwurfweite etwa parallel zum Feldweg verläuft. Diese langgestreckte Bodenerhebung besteht zu großen Teilen aus Bauschutt, der beim mittelalterlichen Abbruch der Aquäduktbrücke angefallen ist. Kleinschlag aus römischem Mauerwerk hat sich in den vergangenen Jahrhunderten beim Pflügen mit dem Ackerboden vermengt und diese deutliche Spur eines antiken Großbauwerks hinterlassen. Die aufzufindenden Bruchstücke von Tuffstein belegen, dass die Brücke ehemals mit Handquadersteinen aus diesem Material verkleidet war.

Station Nr. 35

Meckenheim-Lüftelberg,

Pfeilernachbau der Aquäduktbrücke

[Wanderweg Km 67,6]

 

Der Standort dieses Pfeilers ist für den Betrachter ein wenig irritierend, denn er hat keinerlei Bezug zum tatsächlichen Verlauf der römischen Wasserleitung in diesem Streckenabschnitt. Gleichwohl gibt die Rekonstruktion einen ungefähren Eindruck von der Bauweise der antiken Swistbachbrücke wieder. Nach den Ergebnissen der archäologischen Untersuchungen (1981) an den Brückenresten kann aufgrund des vorgefundenen Steinmaterials gesagt werden, dass das Bauwerk mit Tuffsteinen verblendet war. Die Pfeiler hatten Grundmaße von 1,20 m (in Fließrichtung) x 1,80 m. Darin fi ndet sich exakt das römische Fußmaß von 0,296 m wieder, womit die Pfeiler Abmessungen von 4 x 6 röm. Fuß hatten; die Pfeilerzwischenräume wurden zu 3,54 m bis 3,56 m (= 12 röm. Fuß) ermittelt.

Der tatsächliche Verlauf des Römerkanals liegt nicht an dieser Stelle: Das Ende der Aquäduktbrücke auf dieser Seite des Swistbach-Tales liegt weiter südöstlich von hier – unweit vor dem ersten Gebäude des Gewerbegebiets (Regenrückhaltebecken). Dort knickt die Trasse fast rechtwinklig ab und tangiert in ihrem Verlauf Richtung Buschhoven die Ortslage Lüftelberg an ihrer Nordostseite. Auch die Höhenlage des Römerkanals in diesem Pfeilernachbau ist irritierend, denn am nächstgelegenen Trassenpunkt (50 m nordöstlich von hier) liegt die Leitung bereits bis zu 3 m tief im Erdreich verborgen.

Station Nr. 36

Meckenheim-Lüftelberg, St. Petrus

[Wanderweg Km 68,3]

Die Grabplatte der hl. Lüfthildis aus Aquäduktmarmor

 

Die katholische Pfarrkirche St. Petrus war im 11. / 12. Jahrhundert als einschiffi ger Kapellenbau errichtet worden, den man in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erweitert und umgestaltet hat. Hier wird die Grabstätte der hl. Lüfthildis verehrt, die der Legende nach um 800 lebte und der der Ort auch seinen Namen verdankt. Das Grab der hl. Lüfthildis war ehemals mit der wunderschönen Kalksinterplatte aus der römischen Eifelwasserleitung abgedeckt, die heute in der Seitenkapelle zu sehen ist. In dieser Platte wird die Schönheit des Baustoffes Kalksinter besonders deutlich, und es erklärt sich, warum wir das Material heute respektvoll „Aquäduktmarmor“ nennen.

Die Platte bedeckte ehemals das Grab der Heiligen im Kirchenschiff von St. Petrus. Später wurde sie, mehrfach durchgebrochen, auf der Orgelempore verwahrt. Nach einer gründlichen Restaurierung in der Werkstatt des LVR-LandesMuseums Bonn erhielt sie ihre alte Schönheit zurück und kann nun als besonderes Schmuckstück am Römerkanal-Wanderweg bestaunt werden.

Da die Platte an der Wand der Kapelle genauso aufgehängt ist, wie sie aus der Wasserleitung herausgenommen worden war, kann man ihre Herkunft eindeutig erkennen: Die Schichten des Kalksinters belegen anschaulich, wie der Wasserstand wegen der Versinterung der Kanalrinne stetig angestiegen war und dabei immer neue Zonen an der Wandung erreichte. Schicht für Schicht ist das Zuwachsen des Römerkanals nachweisbar.

Station Nr. 38

Swisttal-Buschhoven, Einstieg in den Römerkanal

[Wanderweg Km 73,7]

 

Das Besondere an diesem Aufschluss ist, dass man hier die antike Wasserleitung nicht – wie bei anderen Aufschlüssen – von der Seite einsehen kann, sondern dass dieses Kanalstück von oben zugänglich gemacht worden ist. An diesem Einstiegschacht wird vorstellbar, wie in römischer Zeit die Inspekteure und Reparaturtrupps in die Leitung eingestiegen sein müssen.

Die Leitung liegt bei diesem Aufschluss außergewöhnlich tief im Erdreich. Man musste die Baugrube hier besonders tief einschneiden, da die Höhenlage der Leitung durch die Umfahrung des Swistbachtales und die Aquäduktbrücke zwischen Rheinbach und Meckenheim vorgegeben war – man durfte die Leitung aber auch nicht zu tief verlegen, um noch genügend Gefälle für die Überquerung des Villerückens zur Verfügung zu haben. Das Gefälle beträgt wegen der besonderen Probleme bei der Überquerung des Villerückens nur 0,12 %.

Der Aufschluss liegt im Garten einer Gaststätte mit dem beziehungsreichen Namen „Zum Römerkanal“ – zum Wohlsein!

Station Nr. 39

Swisttal-Buschhoven

[Wanderweg Km 74,3]

Aufschluss der römischen Eifelwasserleitung nach Köln

 

Beim Ausbau der Umgehungsstraße von Buschhoven (heute B 56) im Jahre 1937 war die römische Wasserleitung bereits zerstört vorgefunden worden. Zu Anschauungszwecken hatte man im Verlauf der Leitungstrasse nordöstlich der Fußgängerbrücke zwei Teilstücke der Leitung in die Böschungen beiderseits der Straße verpfl anzt, die zuvor an dieser Stelle im Wald ausgebaut worden waren. Die Leitungsstücke an der B 56 wurden im Jahre 1948 gesprengt; dagegen hat man den Aufschluss hier erhalten können.

Dieser Aufschluss zeigt einen typischen Querschnitt der Hauptleitung des Römerkanals mit einem Regelprofil von 0,70 m x 1,35 m.

Nur wenig unterhalb dieser Station war ein Einstiegschacht angetroffen worden, den man aus Sicherungsgründen aber zugeschüttet hat. Im weiteren Verlauf der Aquädukttrasse ist der mittelalterliche Ausbruchgraben über eine lange Strecke sehr schön zu verfolgen.

Tritt man von dieser Stelle ein paar Schritte an den Waldrand, so hat man eine sehr schöne Übersicht über das Swistbachtal, das sich im Laufe der Jahrtausende zwischen dem Westhang des Vorgebirges (Ville) und dem nordöstlichen Eifelrand eingebettet hat. Beim Blick über das Tal wird eines der großen technischen Probleme der römischen Wasserbauingenieure bei der Planung der römischen Eifelwasserleitung sichtbar. Wegen der Lage des Vorgebirges, das sich auf der Westseite des Rheintals von Süden nach Norden zieht, war eine gestreckte Trassenführung für eine dem natürlichen Gefälle folgende Wasserleitung aus der Eifel nach Köln nicht möglich: Wie ein riesiger Sperrriegel von 60 m Höhe lag das Vorgebirge quer zur geplanten Trasse. Um einen Brückenbau in dieser Höhe zu vermeiden, hat man die 20 km lange Umwegschleife bis weit in das Swistbachtal hinein gebaut.

Station Nr. 40

Swisttal-Buschhoven

Mittelalterlicher Ausbruchgraben im Kottenforst

[Wanderweg Km 76,4]

 

Im Schutz des Waldes hat sich hier im Kottenforst der durch den mittelalterlichen Ausbruch des Mauerwerks entstandene Graben gut erhalten. In einer gewaltigen Erdarbeit hatte man hier den Römerkanal freigelegt, um das Mauerwerk herausbrechen zu können. In diesem Trassenabschnitt waren die Kalksinterschichten zwar dünn und deshalb nicht mehr abbauwürdig, aber das Mauerwerk selbst war gut erhalten und wurde herausgebrochen, um es zum Bauen von Kirchen, Klöstern und Burgen in der Umgebung zu verwenden. Hexenturm und Wasemer Turm in Rheinbach und Burg Münchhausen in Wachtberg-Adendorf sind anschauliche Beispiele für das Reycling von römischem Mauerwerk im Mittelalter. Sehr schön ist diese Art der Gewinnung von Baumaterial auch in den Mauern von Gut Capellen (ehem. Kloster Schillingskapellen in Swisttal-Dünstekoven) nachzuweisen.

Nach der Ausbeutung des „Steinbruchs Römerkanal“ verblieb ein offener Graben in der Landschaft, der sich selbst heute noch als markantes Bodendenkmal durch den Kottenforst zieht. Dieser Grabenverlauf markiert darüber hinaus streckenweise eine uralte Gemeindegrenze, die auch heute noch als Grenze zwischen Swisttal und Alfter bestand hat.

Station Nr. 41

Alfter, Aufschluss der römischen

Eifelwasserleitung nach Köln

[Wanderweg Km 77,8]

 

Auch in den Streckenabschnitten der römischen Eifelwasserleitung nach Köln, in denen das Mauerwerk größtenteils im Mittelalter ausgebrochen worden ist, sind einzelne Abschnitte der Trasse noch erhalten geblieben. Der hier einzusehende Aufschluss lässt zwar nur einen Blick auf das Gewölbe über der Leitungsrinne zu, es wird aber dennoch eine besondere Eigenart im römischen Fernleitungsbau nördlich der Alpen sichtbar: Die in einem offenen Graben gebaute Leitung musste nach Fertigstellung des Baukörpers mit einer Schicht von rund einem Meter Erdreich überdeckt werden. Damit stellte man den in unseren Breiten erforderlichen Frostschutz sicher.

Station Nr. 42

Alfter, Aufschluss der römischen

Eifelwasserleitung nach Köln

[Wanderweg Km 78,2]

 

Auch in den Streckenabschnitten der römischen Eifelwasserleitung nach Köln, in denen das Mauerwerk größtenteils im Mittelalter ausgebrochen worden ist, sind einzelne Abschnitte der Trasse noch erhalten geblieben. Der hier einzusehende Aufschluss lässt zwar nur einen Blick auf das Gewölbe über der Leitungsrinne zu, es wird aber dennoch eine besondere Eigenart im römischen Fernleitungsbau nördlich der Alpen sichtbar: Die in einem offenen Graben gebaute Leitung musste nach Fertigstellung des Baukörpers mit einer Schicht von rund einem Meter Erdreich überdeckt werden. Damit stellte man den in unseren Breiten erforderlichen Frostschutz sicher.

Station Nr. 43

Bornheim-Brenig,

Blick auf den Trassenverlauf des Römerkanals

[Wanderweg Km 83,0]

 

Die römische Eifelwasserleitung erreicht unweit von dieser Station den östlichen Rand des Villerückens. Dieser Standort ermöglicht nicht nur einen herrlichen Ausblick über Bornheim auf das Rheintal, sondern macht auch ein besonderes Problem der römischen Ingenieure beim Bau der Eifelwasserleitung deutlich: Da die Eifelwasserleitung als reine Gefälleleitung konzipiert war, musste sich ihr Trassenverlauf an das Geländerelief regelrecht anschmiegen und dabei jeden Bergsporn umrunden und jedes Seitental ausfahren. Hier am Vorgebirgshang hätten bei einem allmählichen Abstieg der Trasse in das Rheintal zahlreiche Kurven und Bögen die Leitung erheblich verlängert. Um Baukosten zu sparen, wurde deshalb der Vorgebirgshang bis Waldorf mit rund 4,5 % Gefälle abrupt durchfahren. Nach dieser Steilstrecke konnte man im weiteren Verlauf der Wasserleitung dem Fuß des Vorgebirges bis Hürth-Hermülheim auf einer relativ gestreckten Linie folgen.

Station Nr. 44

Bornheim-Hemmerich, Verwendung von

Römerkanalabbruch am alten Friedhof

[Wanderweg Km 86,3]

 

Die Umfassungsmauer des alten Friedhofs nahe der Burgruine und der Kirche von Hemmerich ist zu großen Teilen aus dem Abbruchmaterial der römischen Eifelwasserleitung nach Köln gebaut worden. Besonders im Bereich hinter der Friedhofskapelle ist der „Steinbruch Römerkanal“ als Herkunft des Baumaterials hervorragend zu erkennen: Dem römischen Stampfbeton haftet noch rötlicher Innenputz (Opus signinum) an, mit dem die Wasserleitung ehemals abgedichtet worden war; daran wiederum haftet teilweise sogar noch die Kalksinterablagerung aus der Leitung.

Es war vornehmlich eine in der Zeit vom 11. bis 13. Jahrhundert geübte Praxis, in Ermangelung anderen Steinmaterials den Römerkanal abzubrechen und das Material ein zweites Mal zum Bauen zu verwenden. Wir fi nden dieses Material in vielen romanischen Bauten des Rheinlandes wiederverwendet.

Station Nr. 45

Bornheim-Walberberg, Teilstück der

römischen Eifelwasserleitung nach Köln

[Wanderweg Km 89,2]

 

Dieses Teilstück aus dem Verlauf der römischen Eifelwasserleitung nach Köln ist beim Bau des Hauses Hauptstraße 81 in Walberberg im Jahre 1965 geborgen und hier wieder aufgestellt worden. Es zeigt die für das Vorgebirge typische Bauart des Römerkanals: Eine Rinne aus Stampfbeton (Opus caementicium) war innen mit hydraulischem Putz (Opus signinum) abgedichtet und danach mittels eines Gewölbes abgedeckt worden. Die Leitung lag ehemals in frostfreier Tiefe im Erdreich.

Station Nr. 46

Bornheim-Walberberg

Verwendung von Römerkanalabbruch im Mittelalter

[Wanderweg Km 92,2]

 

Der Hexenturm war der Bergfried einer größeren Burganlage, von der ansonsten aber nichts mehr erhalten ist. Er ist im 12. Jahrhundert entstanden, und besonders im Inneren kann man erkennen, dass er zum größten Teil aus Abbruchmaterial der römischen Eifelwasserleitung gebaut worden ist.

Auch beim Bau der Kirche St. Walburga (11. bis 13. Jahrhundert) und beim Bau des ehemaligen Zisterzienser-Nonnenklosters (12. bis 13. Jahrhundert) ist dieses Material reichlich verwendet worden. Reste sind heute noch sichtbar in der Mauer des Pfarrgartens und im Chor von St. Walburga. Im Chor wurde bei der Renovierung 1987 ein postkartengroßes Fleckchen im Außenverputz ausgespart, um den Blick auf den römische Stampfbeton (Opus caementicium) mit hydraulischem Putz (Opus signinum) und anhaftender Kalksinterschicht freizulassen.

Station Nr. 47

Hürth-Fischenich

[Wanderweg Km 105,8]

Verwendung von Römerkanalabbruch in der Burg

 

Ein besonders schönes Beispiel für die Wiederverwendung von ausgebrochenem Römerkanal als Baumaterial findet sich in Hürth-Fischenich, wo fast die gesamte Burg aus diesem Material errichtet worden ist.

Die in der Ortsmitte gelegene Ruine der ehemaligen Burg ist heute von einer kleinen Wohnanlage umgeben. Dennoch kann man gut an das Baudenkmal herankommen. Die Burg Fischenich war im 12. / 13. Jahrhundert erbaut worden; Herren der Burg waren die Ritter gleichen Namens. In den erhaltenen Resten des Burgmauerwerks ist deutlich erkennbar, wo das Material zum Bau der Burg im Mittelalter gewonnen worden ist. Wir erkennen Blöcke von Stampfbeton (Opus caementicium), denen ein hydraulischer, rötlicher Putz (Opus signinum) samt einer Kalksinterablagerung anhaftet. Das macht deutlich, dass es sich bei diesem Material um wiederverwendete Teilstücke der römischen Eifelwasserleitung nach Köln handelt.

Diese Art der Steingewinnung war im Mittelalter rechts und links der Trasse der römischen Eifelwasserleitung sehr verbreitet. Da die Wohngebäude im Mittelalter in der Regel in Fachwerk ausgeführt wurden, finden wir das Baumaterial aus dem Steinbruch Römerkanal allerdings in erster Linie in Kirchen, Klöstern und Burgen. Die Burg Fischenich ist bei den Kämpfen im Truchsessschen Krieg (1584) zerstört worden und seitdem eine Ruine.

Station Nr. 48

Hürth-Hermülheim

Blick auf das Rheintal und Köln

[Wanderweg Km 108,7]

 

Auf dem Sporn der Abraumhalde des in diesem Bereich in den 1920er Jahren aufgegebenen Braunkohlentagebaus Hürtherberg führt der Römerkanal-Wanderweg zu einem Aussichtspunkt mit einem herrlichen Blick über die Kölner Bucht bis hin zum Siebengebirge rechter Hand. Bezüglich der Lage der Kölner Innenstadt (und damit der Lage der antiken Colonia Claudia Ara Agrippinensium) mag man sich am bei gutem Wetter klar erkennbaren Kölner Dom orientieren. Dort lag auch das Ziel der Eifelwasserleitung. Die Trasse der Eifelleitung verläuft in diesem Abschnitt entlang der unteren Hangkante des Vorgebirges. Sie kommt hier von Südosten (Fischenich), verläuft in Richtung Hermülheim und kreuzt mit ihrem Verlauf die Luxemburger Straße fast rechtwinklig. Linker Hand markiert die Pfarrkirche St. Severin ungefähr einen Punkt im Trassenverlauf des Römerkanals.

Neben der Eifelwasserleitung ist von hier aus ein weiteres antikes Bauwerk gut zu erkennen: Dabei handelt es sich um die Römerstraße Köln–Trier (Luxemburger Straße), die zu Füßen dieses Standortes Richtung Innenstadt verläuft.

Station Nr. 49

Hürth-Hermülheim, Teilstück des Römerkanals

und Aquäduktmarmor in St. Katharina

[Wanderweg Km 110,3]

 

Dieses Teilstück des Römerkanals stammt aus dem Verlauf der sog. Hürther Leitung, die um 30 n. Chr. gebaut worden war, um das Oppidum Ubiorum, die Vorgängersiedlung der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln), mit Wasser aus Quellen im Vorgebirgshang zu versorgen. Die Vorgebirgsleitung hatte man nach der Koloniegründung um 50 n. Chr. bei Hermülheim beginnend aufgestockt; 80/90 n. Chr. wurde die Eifelwasserleitung angeschlossen.

In der 1894 – 95 erbauten kath. Pfarrkirche St. Katharina hat man aus der Eifelwasserleitung gewonnenen Aquäduktmarmor als Sockel für das Taufbecken verwendet. Vermutlich stammt dieses Werkstück aus einer anderen Verwendung im romanischen Vorgängerbau.

Station Nr. 50

Hürth-Hermülheim

Knotenpunkt der Leitungstrassen

[Wanderweg Km 113,2]

 

Der Wasserversorgung des antiken Köln diente Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine an der Quelle des Hürther Baches beginnende Fernwasserleitung. Nach und nach bauten die Römer weitere Leitungen von den Quellen bei Berrenrath, Aldenrath, Frechen und Bachem, die hier bei der (späteren) Hermülheimer Burg an die um 30 n. Chr. gebaute Hürther Leitung angeschlossen wurden.

Nach der Erhebung Kölns zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium / CCAA (um 50 n. Chr.) wurde die zur Stadt führende Leitung hier beginnend aufgestockt, um einen höher liegenden Wasserturm in der neuen Kölner Stadtmauer erreichen zu können.

Als weitere Leitung wurde, wiederum hier am späteren Burggelände, die zwischen 80 und 90 n. Chr. gebaute Eifelwasserleitung an die bestehende Vorgebirgsleitung angeschlossen. Diese 95,4 Kilometer lange Wasserleitung versorgte das antike Köln täglich mit rund 20 000 m3/ d Trinkwasser aus den Quellen in der Nordeifel.

Station Nr. 51

Hürth-Hermülheim

[Wanderweg Km 113,2]

Der Aufschluss der Doppelleitung

 

Die bei der Burg von Hermülheim beginnende Sammelleitung für das Wasser von fünf Quellen im Vorgebirgshang war nach der Erhebung Kölns zur Kolonie (um 50 n. Chr.) aufgestockt worden. Bei den hierfür erforderlichen Baumaßnahmen wurde die ältere Leitung als Substruktion benutzt: Man setzte deren Rinne mit Tuffquadern zu und errichtete darauf die Pfeiler für die auf Bogenstellungen geführte neue Hochleitung. In deren Rinne wurde auch das Wasser der zwischen 80 und 90 n. Chr. angeschlossenen Eifelwasserleitung
transportiert.

Bei der Anlage eines Sportplatzes an der Westseite des städtischen Schulgeländes (1962) ist diese zweiperiodige Wasserleitung in gutem Erhaltungszustand angetroffen worden. Diese Fundstelle ist heute ergänzt, konserviert und mit einem Schutzbau versehen.

Zuunterst findet sich die Rinne aus Gussmauerwerk mit Basaltkleinschlag. Die Bögen der Aufstockung ruhten auf Pfeilern mit einem Abstand von 4,20 m von Mitte zu Mitte. Der Ausgrabungsbefund zeigt, dass die Pfeiler hier nur zwei bis drei Steinlagen hoch und mit handgerechten Grauwacken verblendet waren. Darauf lagen Kämpfersteine aus Tuff, auf deren schrägen Schultern sich die den höher gelegenen Kanal tragenden Bögen stützten. Das Zwickelmauerwerk
war wiederum mit Grauwacke verblendet. Pfeiler und Bögen trugen ehemals die gemauerte Rinne, von der 1962 nichts mehr gefunden wurde.

Da die Leitung in der zweiten Bauphase mit einem schwächeren Gefälle als der Vorgängerbau ausgestattet war, erreichte man in Köln eine größere Versorgungshöhe und konnte die Leitung bis an die neue Stadtmauer heranführen. Dort hatte man einen der Türme als Wasserturm (Castellum divisorium) ausgebaut.

Station Nr. 52

Köln

[Wanderweg Km 115,7]

Das Absetzbecken im Grüngürtel

 

Ein wichtiges Modul im Verlauf der römischen Wasserleitungstrassen waren Einrichtungen zur Klärung des Wassers, bevor es in das städtische Verteilungsnetz eingespeist wurde. Die dazu notwendigen Kleinbauwerke hat man in der Regel kurz vor dem Erreichen der Stadtmauern im Leitungsverlauf installiert.

Die Anlage im Kölner Grüngürtel bestand aus zwei miteinander verbundenen Becken auf einem soliden Fundament. Das größere Becken in der Längsrichtung der Leitung hatte 10 m3 Fassungsvermögen und diente als Schlammfang. Infolge des im Beckenbereich vergrößerten Querschnittes und des dadurch verlangsamten Durchfl usses setzten sich Sand und andere Schwebteilchen selbsttätig ab.

Der Ablauf des Absetzbeckens lag in Sohlenhöhe und war im Normalbetrieb durch eine Kugel oder einen Stopfen verschlossen. Bei Reinigungsaktionen wurde der Ablauf geöffnet und durch den Druck des im Becken befindlichen
Wassers wurde der auf der Sohle abgelagerte Schlamm hinaus gespült.

Das Bauwerk hatte aber auch noch eine zweite Funktion zu erfüllen; es diente nämlich auch noch als Ablenkbecken, um im Falle von Reparaturarbeiten die angeschlossene Hochleitung Richtung Köln trockenlegen zu können.

Sechs antike Münzen, die in den Sohlenmörtel eingedrückt gefunden wurden, lieferten die Datierung dieses Bauwerks und damit auch die Bauzeit der ersten Kölner Vorgebirgsleitung: Sie führten in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. um das Jahr 30 n. Chr. Bei der Aufstockung der Leitung nach Kölns Erhebung zur Kolonie (CCAA) um 50 n. Chr. wurde das Becken dann außer Betrieb gesetzt und diente fortan als Substruktion für einen der Pfeiler, der nunmehr schon bei Hermülheim beginnenden Hochleitung.

Neben dem Becken ist ein bei Mechernich-Breitenbenden geborgenes Teilstück der Eifelwasserleitung aufgestellt worden.

Station Nr. 53

Köln-Klettenberg, Kern eines Pfeilers

der römischen Wasserleitung nach Köln

[Wanderweg Km 116,5]

 

Die erste Wasserleitung des römischen Köln, errichtet in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr., führte aus dem Vorgebirge unterirdisch bis in den Bereich des heutigen Grüngürtels. Ab dort musste das Leitungsgerinne auf einer Bogenreihe bis zur Stadt geführt werden, um eine Talsenke zu überwinden. Um 50 n. Chr., zur Zeit der Gründung der Colonia Claudia Ara Agrippinensium / CCAA, erhielt die Wasserleitung ein zweites Stockwerk mit einem schwächeren Gefälle. In dieser neuen Leitung wurde dann ab 80 / 90 n. Chr. ab Hermülheim auch das Wasser der Eifelleitung geführt.

Von der unteren (älteren) Bogenreihe hat sich ein einziger Pfeilerstumpf erhalten, der bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts mitten auf dem gegenüberliegenden Fahrbahnstreifen der Berrenrather Straße gestanden hat. Er wurde 1963 an seinen heutigen Standort versetzt.

Vom Pfeiler ist nur der Kern aus Stampfbeton (Opus camenticium) erhalten. Die Verkleidung (vermutlich aus Tuffstein) ist wohl ein Opfer mittelalterlichen Steinraubes geworden – wie das Mauerwerk des zweiten Stockwerks dieser Hochleitung und die übrigen Pfeiler auch. Man hat hier die gebrochenen Steine – besonders in der Zeit vom 11. bis zum 13. Jahrhundert – gern als Baumaterial in Zweitverwendung für die Burgen, Kirchen und Klöster der Romanik genutzt.